Der Morgen hatte es satt, immer morgens stattzufinden, wenn die Menschen müde aus ihren Federn krochen und mit mürrischen Gesichtern zur Arbeit hasteten. Er beneidete den Abend, der stets schillernde und aufregende Geschichten von Partys und Cocktails, Kinos und Theatern, Lagerfeuern und kuscheligen Schmusestunden zu berichten wusste. Und weil der Abend vom Neid des Morgens wusste, schilderte er die Ereignisse stets noch ein Spürchen schillernder und aufregender, als sie tatsächlich stattgefunden hatten. Ein einziges Mal nur, so flehte der Morgen zu Vater Chronos, ein einziges Mal wollte er auch abends stattfinden! Doch Chronos war unerbittlich, und der Abend streckte dem Morgen die Zunge raus.

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