Eines Tages besucht ein Hund den Tempel der tausend Spiegel. Er steigt die hohen Stufen hinauf, betritt den Tempel, schaut in die tausend Spiegel, sieht tausend Hunde, bekommt Angst und knurrt. Mit gekniffenem Schwanz verläßt er den Tempel in dem Bewusstsein: die Welt ist voller böser Hunde. Kurze Zeit später kommt ein anderer Hund in den gleichen Tempel. Auch er steigt die Stufen empor, geht durch die Tür und betritt den Tempel der tausend Spiegel. Er sieht in den Spiegeln tausend andere Hunde, freut sich darüber und wedelt mit dem Schwanz. Tausend Hunde freuen sich mit ihm und wedeln zurück. Dieser Hund verlässt den Tempel in dem Bewusstsein: Die Welt ist voller freundlicher Hunde.

Aus Indien

11 thoughts on “Einstellungssache”

  1. gefällt mir, das kommt dem nahe:
    der optimist sagt: das glas ist halb voll
    der pessimist sagt: das glas ist halb leer 🙂

    in diesem sinne, einen schönen wochenbeginn liebe barbara

  2. Ach ja, die Inder! Deren Weisheit ist auch nicht größer als die unserer Ahnen. Der Unterschied besteht darin, daß die Inder für uns exotisch sind, und daß sie sich verquert ausdrücken. Die Hunde-Tempel-Geschichte ist tatsächlich genau die gleiche Erkenntnis wie das In-den-Wald-rufen.

    @maksi – geht mir auch so. Meist denke ich, daß der Betreffende eine Ãœberdosis Antidepressiva hatte.

  3. Sehr schön und sehr wahr!
    Manchmal ist jedoch der Blick in den Spiegel durch diverse Alltagsprobleme getrübt. Immer nur Lächeln? Nein, das geht nicht (und Menschen, die das können und auch tun, sind mir nicht geheuer).

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