ein Foto und seine Folgen

musensohn
Ein Match Frauen-Polo war für eine Powerfrau wie Constance jedesmal wieder eine Aktion, bei der sie sich völlig verausgabte, nach dem Duschen aber wieder mit prall geladenen Akkus ins Leben treten konnte. Olympionike Bernhard „Fury“ Großmann hatte den Club 1968 gegründet, aber die Ladies-Sparte ging auf seine Tochter zurück. Beim Silberjubiläum war sogar Prinz Andrew erschienen und hatte bis halb drei Uhr morgens mit Constance getanzt. Komisch, daß sie dann nicht mit dem Prinzen, sondern mit Ronald aufgewacht war, dem muskulösen Pferdepfleger, der erst einige Wochen im Club arbeitete.
Natürlich hatte sie bemerkt, daß er sie häufig anstarrte und unter irgendwelchen Vorwänden in den Stall zu kommen bat. Mal war es angeblicher Hufpilz bei Silver, dann stimmte mit der Lüftungsanlage etwas nicht. Ihr gefiel es, in seiner Nähe zu sein. Selbst den Geruch seines Achselschweißes empfand Constance irgendwie erregend. Tja, und als dann der Prinz mit seiner Entourage das Fest verlassen hatte und Constance sich an der Sektbar volllaufen ließ, stand Ronald plötzlich hinter ihr, legte seine rechte Pranke auf ihren Hintern und flüsterte ihr ins Ohr „Braucht meine heiße Stute einen starken Hengst?“ Diese Worte hatte sie nie vergessen.
Und jetzt das – ein verkrustetes Spitzentaschentuch mit dem Monogramm „E“ in Ronalds Tweedsakko. Soir de Paris, kein Zweifel. Edith? Die Gutsbesitzerin aus Johannisdorf bevorzugte Herrendüfte. Enid, ihr Au-Pair-Mädchen aus Sheffield? Aber doch nicht die kleine pummlige Enid, über die sich Ronald so oft lustig gemacht hatte. Esther Szokolay, die ungarische Dressurreiterin? Das war nicht so abwegig. Aber sie ist doch streng gläubig, war mit ihr in den Dom zur Hubertus-Andacht gegangen. E… Eva … Erika … Elisabeth … Natürlich Elisabeth! Konnte das sein – Liz??

barbara

Nun war es endlich soweit. Liz Lenden zuckten bestialisch bei dem Gedanken, Ronald zu sehen. Unter einem Vorwand sprach sie gestern mit Constance, die über ein Seminar von Pater Vincento berichtete, an dem sie teilnehmen wollte.

‚Offenbarung des Johannis. Wohin führt uns das? Sind wir ausgewählt? Ja oder nein? Oder lieber doch nicht?‘

Selbstverständlich würde Ronald kommen, um sich ihren Auspuff anzuschauen

Sie spürte eine leichte Panik bei der Vorstellung, das Karl-Ludwig (Kalle) den Stimmenimitator-Kurs der Bausparkasse (oder war es die Postschalterbeamtenkasse?) ausfallen ließ, an dem er jeden Mittwoch teilnahm. Ganz plötzlich hatte sie sich entliebt als sie bemerkte, wie er beim Küssen immer sein rechtes Bein hochzog und so merkwürdig anwinkelte. Einfach trostlos und das machte ihn so sterblich! Erotische Ereignisse kamen nur in ihren Träumen vor und die Verbissenheit um die Bewandtnis des Polohelmes ließ sie fast boshaft werden. Sie würde sich ein leichtes Sommerkleid anziehen und ihre Augenlider in den Farben des Kleides bestäuben. Wie rein zufällig wäre der Tisch hingebungsvoll gedeckt, ein wie hingerotztes Bühnenbild von Klassik und Moderne in violetter Kolorierung.

8 thoughts on “Fortsetzung

  1. Leider bin ich völlig untalentiert, aber ich finde es wirklich schade, dass es nicht weitergeht. Ich finde, das war einer der schönsten Blogeinträge von Dir.
    😥

  2. Kalle ist der Ehemann von Liz, der mit dem angewinkelten Bein 😉 Mir fällt momentan nichts mehr ein

    musensohn meinte aber noch :

    Kleiner Tipp: Ich könnte mir vorstellen, daß der beinanwinkelnde (etwas feminine ?) Karl-Ludwig (in einschlägigen Kreisen „Carlotta“) selbst scharf ist auf den Muskelkerl und sich zum Rendezvous den violett kolorierten Sommerfummel seiner Frau ausborgt. Wird Ronald die Täuschung entdecken? Und wenn ja, wann?

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